Banklexikon

Investieren-Lexikon: Depot, ETF und Börse verständlich erklärt

Von Depot bis Vorabpauschale: Die wichtigsten Begriffe rund um ETF, Börse und Geldanlage – kurz, nüchtern und verständlich erklärt.

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Wer Geld an der Börse anlegt, stößt schnell auf Fachbegriffe wie Spread, TER oder Vorabpauschale. Vieles davon klingt komplizierter, als es ist – überlesen sollte man es trotzdem nicht, denn hinter manchem Begriff steckt ein handfester Kostenfaktor. Dieses Lexikon erklärt die wichtigsten Begriffe rund um Depot, ETF und Wertpapierhandel in knappen Definitionen. Es ersetzt keine Anlageberatung, hilft aber, Vergleiche und Produktinformationen richtig einzuordnen.

Depot und Handel

Depot
Ein Depot ist ein Konto zur Verwahrung von Wertpapieren wie Aktien, ETF oder Anleihen. Es wird bei einer Bank oder einem Broker geführt; für Kauf, Verkauf und Verwahrung können Gebühren anfallen, die sich je nach Anbieter deutlich unterscheiden. Ein Depotvergleich zeigt die Konditionen im Überblick.
Broker
Ein Broker ist ein Finanzdienstleister, der Wertpapieraufträge seiner Kunden an Börsen oder andere Handelsplätze weiterleitet und ausführt. Neben klassischen Banken bieten auch spezialisierte Online-Broker und Neobroker den Wertpapierhandel an, meist mit unterschiedlichen Gebührenmodellen.
Order
Eine Order ist der verbindliche Auftrag an den Broker, ein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen. Sie enthält mindestens das Wertpapier, die Stückzahl und die Orderart; zusätzlich lassen sich Bedingungen wie Preisgrenzen oder eine Gültigkeitsdauer festlegen.
Market-Order
Eine Market-Order wird zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt, ohne Preisgrenze. Das sichert eine schnelle Ausführung, birgt aber das Risiko, bei geringem Handelsvolumen oder starken Kursschwankungen einen ungünstigeren Preis zu erhalten als erwartet.
Limit-Order
Bei einer Limit-Order legt der Anleger einen Höchstpreis für den Kauf oder einen Mindestpreis für den Verkauf fest. Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Kurs das Limit erreicht; andernfalls verfällt sie nach Ablauf der Gültigkeit unausgeführt.
Stop-Order
Eine Stop-Order wird erst aktiv, wenn der Kurs eine festgelegte Schwelle erreicht. Eine Stop-Loss-Order löst dann meist eine Market-Order aus und soll Verluste begrenzen; der tatsächliche Ausführungskurs kann bei schnellen Kursbewegungen jedoch deutlich unter der Stop-Marke liegen.
Spread
Der Spread ist die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs eines Wertpapiers. Er ist ein indirekter Kostenfaktor beim Handel: Je enger der Spread, desto günstiger die Ausführung. Außerhalb der Haupthandelszeiten sind Spreads häufig weiter.
Handelsplatz
Ein Handelsplatz ist der Ort, an dem Wertpapieraufträge zusammengeführt werden – etwa eine Börse wie Xetra oder ein außerbörslicher Direkthandelsplatz. Kurse, Spreads und Gebühren können sich je nach Handelsplatz für dasselbe Wertpapier unterscheiden.

ETF und Fonds

ETF
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index möglichst genau nachbildet. ETF gelten als kostengünstige Bausteine der Geldanlage, unterliegen aber wie alle Wertpapiere Kursschwankungen bis hin zu Verlusten. Grundlagen erklärt der Bereich ETF.
Index
Ein Index bildet die Wertentwicklung eines definierten Marktes oder Marktsegments ab, etwa der DAX für große deutsche Aktien oder der MSCI World für Industrieländer-Aktien. Indizes dienen als Messlatte für die Marktentwicklung und als Grundlage für ETF.
TER (Gesamtkostenquote)
Die Total Expense Ratio gibt die laufenden Kosten eines Fonds pro Jahr in Prozent des Fondsvermögens an, darunter Verwaltungs- und Lizenzgebühren. Nicht enthalten sind Transaktionskosten innerhalb des Fonds sowie die eigenen Order- und Depotgebühren.
Tracking Difference
Die Tracking Difference misst, wie stark die tatsächliche Wertentwicklung eines ETF über einen Zeitraum von der seines Index abweicht. Sie erfasst neben der TER auch weitere Effekte wie Transaktionskosten oder Erträge aus Wertpapierleihe und ist daher aussagekräftiger als die TER allein.
Thesaurierend
Ein thesaurierender Fonds legt Erträge wie Dividenden oder Zinsen automatisch wieder im Fondsvermögen an, statt sie auszuzahlen. Anleger profitieren so vom Zinseszinseffekt, erhalten aber keine laufenden Auszahlungen.
Ausschüttend
Ein ausschüttender Fonds zahlt Erträge wie Dividenden oder Zinsen in regelmäßigen Abständen an die Anleger aus. Die Ausschüttungen fließen auf das Verrechnungskonto und unterliegen als Kapitalerträge der Abgeltungsteuer.
Physisch replizierend
Ein physisch replizierender ETF kauft die im Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich – entweder vollständig oder als optimierte Auswahl (Sampling). Diese Bauweise gilt als transparent, kann bei sehr breiten Indizes aber höhere Handelskosten verursachen.
Synthetisch replizierend
Ein synthetisch replizierender ETF bildet den Index über ein Tauschgeschäft (Swap) mit einer Bank ab, statt alle Indexwerte zu kaufen. Daraus entsteht ein Kontrahentenrisiko gegenüber dem Swap-Partner, das gesetzlich begrenzt und meist zusätzlich besichert ist.
Sondervermögen
Fondsvermögen ist rechtlich Sondervermögen: Es wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt und fällt bei deren Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse. Dieses schützt jedoch nicht vor Kursverlusten der enthaltenen Wertpapiere.
Sparplan
Ein Sparplan ist ein Dauerauftrag für Wertpapierkäufe: In festen Abständen wird ein gewählter Betrag automatisch in einen ETF, Fonds oder eine Aktie investiert. Viele Broker bieten Sparpläne bereits ab kleinen monatlichen Raten an, teils ohne Ordergebühr.
Cost-Average-Effekt
Beim regelmäßigen Investieren gleicher Beträge werden bei niedrigen Kursen mehr und bei hohen Kursen weniger Anteile gekauft; so ergibt sich ein durchschnittlicher Einstandspreis. Der Effekt glättet den Einstieg, garantiert aber weder eine bessere Rendite noch Schutz vor Verlusten.

Risiko und Strategie

Dividende
Die Dividende ist der Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet. Ob und in welcher Höhe gezahlt wird, beschließt die Hauptversammlung; ein Anspruch auf gleichbleibende Dividenden besteht nicht. Mehr zu Aktien im Bereich Aktien.
Volatilität
Volatilität misst, wie stark der Kurs eines Wertpapiers um seinen Mittelwert schwankt. Eine hohe Volatilität bedeutet größere Kursausschläge in beide Richtungen – also höhere Chancen, aber auch ein höheres Risiko zwischenzeitlicher Verluste.
Diversifikation
Diversifikation bedeutet, das angelegte Geld auf viele Wertpapiere, Branchen, Regionen oder Anlageklassen zu verteilen. Das senkt das Risiko einzelner Ausfälle, kann aber allgemeine Marktrisiken – etwa einen breiten Kursrückgang – nicht ausschalten.
Klumpenrisiko
Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein großer Teil des Vermögens von einem einzelnen Wert, einer Branche oder einer Region abhängt. Gerät dieser Bereich in Schieflage, drohen überproportionale Verluste; Diversifikation ist das übliche Gegenmittel.
Rebalancing
Rebalancing bezeichnet das regelmäßige Zurücksetzen des Portfolios auf die ursprünglich gewählte Aufteilung, etwa zwischen Aktien und Anleihen. Gut gelaufene Positionen werden dafür anteilig verkauft oder neue Sparraten gezielt in untergewichtete Positionen gelenkt.

Steuern und Sonderformen

Robo-Advisor
Ein Robo-Advisor ist eine digitale Vermögensverwaltung, die Anlegergeld nach festen Regeln meist in ETF-Portfolios investiert und automatisch umschichtet. Dafür fällt eine Servicegebühr zusätzlich zu den Fondskosten an; das Verlustrisiko der Kapitalmärkte bleibt bestehen. Einen Überblick bietet der Bereich Robo-Advisor.
Nachrangdarlehen (Crowdinvesting)
Beim Crowdinvesting finanzieren Anleger Projekte oder Unternehmen häufig über Nachrangdarlehen: Im Insolvenzfall werden sie erst nach allen anderen Gläubigern bedient; im schlimmsten Fall ist das eingesetzte Geld komplett verloren. Details erklärt der Bereich Crowdinvesting.
Vorabpauschale
Die Vorabpauschale ist eine pauschale Mindestbesteuerung für Fonds und ETF, die Erträge nicht oder nur teilweise ausschütten. Sie wird jährlich auf Basis des Basiszinses berechnet, zu Jahresbeginn vom Verrechnungskonto der Depotbank abgeführt und bei einem späteren Verkauf auf den steuerpflichtigen Gewinn angerechnet.
Sparerpauschbetrag
Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne sind pro Person und Jahr bis 1.000 Euro steuerfrei (Sparerpauschbetrag). Damit die Bank den Freibetrag berücksichtigt, muss ein Freistellungsauftrag erteilt werden; er lässt sich auf mehrere Institute aufteilen.